STROM NACHRICHTEN
Der Iran-Krieg treibt die Gaspreise in Europa um mehr als 60 Prozent nach oben. Sollte die Krise länger dauern, werden auch die Strompreise steigen.
Seit Beginn des Krieges kletterte der Gaspreis an der europäischen Energiebörse bis auf rund 59 Euro je Megawattstunde – etwa 64 Prozent über dem Niveau von vor dem Konflikt (Januar/Februar 2026: Ø 36 €/MWh).
Die Strompreise im Großhandel stiegen bis auf 140 €/MWh - ein Anstieg von etwa 36 Prozent im Vergleich zum Monatsmittel Januar und Februar 2026 (103 €/MWh).
Die Entwicklung weckt Erinnerungen an den Beginn des Ukraine-Kriegs 2022. Damals schoss der Gaspreis bereits im ersten Monat auf mehr als 220 Euro je Megawattstunde. In der Folge erreichten auch die Strompreise an der europäischen Strombörse historische Höchststände von 488 Euro je Megawattstunde.
Update: 13. März 2026 | Linda Marie Holm | Daten
13.03.2026 Die Bundesnetzagentur erwartet, dass die aktuellen Preisspitzen an den Energiemärkten kurzfristig keine direkten Auswirkungen auf Strom- und Gaspreise für Haushalte haben. Zwar könnten steigende Weltmarktpreise bei einer länger anhaltenden Krise spürbar werden, doch Preisgarantien in bestehenden Verträgen dämpfen die Effekte zunächst. (BNetzA)
Ursula von der Leyen will die Energiekosten für Verbraucher senken und prüft auf EU-Ebene Maßnahmen wie Gaspreis-Subventionen oder einen Preisdeckel. Hintergrund sind steigende Importkosten infolge des Nahost-Konflikts – allein in den ersten zehn Tagen hätten die höheren Preise europäische Steuerzahler rund drei Milliarden Euro gekostet, so die Chefin der Europäische Kommission. (DPA)
12.03.2026 Der Iran-Krieg könnte die deutsche Wirtschaft deutlich bremsen. Laut DIW könnte das BIP-Wachstum 2026 durch höhere Öl- und Gaspreise auf nur 0,5 % fallen – ein wirtschaftlicher Schaden von rund 22 Milliarden Euro. Die Inflation könnte zugleich auf 2,8 % steigen. Quelle
11.03.2026
Der europäische Gaspreis fiel nach dem Hoch am Dienstag um 18 % auf rund 48 Euro je Megawattstunde. Der Strompreis zog nach. Auslöser: Trump sprach von einer „sehr schnellen“ Lösung des Iran-Konflikts. Analysten warnen: Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt, bleibt das Angebot knapp -unabhängig von politischen Signalen.
Auslöser der aktuellen Turbulenzen ist die iranische Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Energierouten der Welt. Rund ein Fünftel der globalen LNG-Lieferungen passiert die Meerenge. Wie die Tagesschau berichtet, hat Katar seine Gasexporte vorübergehend gestoppt und die LNG-Produktion heruntergefahren. Insidern zufolge könnte es bis zu vier Wochen dauern, bis die Anlagen wieder normal laufen – das verknappt das Angebot auf dem Weltmarkt zusätzlich.
Bereits jetzt beginnt ein globaler Wettbewerb um verfügbare LNG-Mengen. Vor allem asiatische Käufer suchen Ersatz für ausfallende Lieferungen aus Katar und bieten deutlich höhere Preise. Berichten zufolge haben erste LNG-Tanker, die ursprünglich nach Europa unterwegs waren, ihren Kurs bereits nach Asien geändert.
Für Europa kommt die Situation zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Nach einem kalten Winter sind die Gasspeicher leer und müssen dringend wieder aufgefüllt werden. Steigende Weltmarktpreise könnten deshalb auch hierzulande schnell spürbar werden.
Analysten halten deutlich höhere Gaspreise für möglich. Die Bank ING sieht bei anhaltenden Lieferstörungen Gaspreise von 80 bis 100 Euro je Megawattstunde als realistisch. Goldman Sachs erwartet bereits bei einem einmonatigen Ausfall der katarischen Exporte einen TTF-Preis von rund 74 Euro je Megawattstunde.
Auch die Ölpreise steigen stark und wirken zusätzlich als Preistreiber. Am Montag kletterte der Ölpreis auf 119 Dollar pro Barrel – nach rund 65 Dollar vor Beginn des Konflikts. Bleiben die Handelsrouten im Persischen Golf gestört, halten Analysten sogar 150 Dollar pro Barrel für möglich.
Steigende Gaspreise können sich direkt auf die Strompreise in Europa auswirken. Der Grund ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip, nach dem der Strompreis an den europäischen Strombörsen gebildet wird. Kraftwerke werden dabei nach ihren Produktionskosten eingesetzt: Zuerst liefern günstige Erzeuger wie Windkraft, Solarenergie oder Wasserkraft Strom, erst danach kommen teurere Kraftwerke zum Einsatz.
Den Strompreis bestimmt am Ende jedoch das teuerste Kraftwerk, das noch benötigt wird, um die Nachfrage zu decken. Häufig sind das Gaskraftwerke. Steigen die Gaspreise, erhöhen sich auch die Produktionskosten dieser Anlagen – und damit der Börsenstrompreis für alle Stromanbieter. Selbst Strom aus Wind- oder Solaranlagen wird dann zu diesem höheren Marktpreis gehandelt.
Wie stark dieser Effekt sein kann, zeigte bereits die Energiekrise nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022. Damals schossen die Gaspreise im ersten Monat des Krieges bereits auf 220 Euro je Megawattstunde. In der Folge stiegen auch die Strompreise an der Börse auf Rekordwerte von 488 Euro je Megawattstunde.
Sollten die Gaspreise durch den aktuellen Konflikt im Nahen Osten weiter steigen, wird dieser Mechanismus erneut Druck auf die Strompreise in Europa ausüben.
→ Hintergrund: Mehr zur Strompreisentwicklung in Deutschland
Für Verbraucher zeigen sich die Veränderungen am Gas- & Strommarkt der Energiebörsen unterschiedlich schnell. Kunden mit dynamischen oder flexiblen Stromtarifen spüren steigende Börsenpreise meist unmittelbar. Haushalte mit langfristigen Festpreisverträgen bemerken die Entwicklung dagegen oft erst zeitverzögert, etwa wenn die Preisgarantie der aktuellen Tarife ausläuft. (Kunden, die jetzt den Anbieter wechseln, sollten eine lange Preisgarantie in Betracht ziehen.)
Entscheidend bleibt daher die Dauer der aktuellen Kriegshandlungen. Sollte der Ausfall katarischer LNG-Lieferungen rund vier Wochen anhalten, könnte sich die Angebotslücke zunächst vor allem in höheren Gas- und Großhandelspreisen niederschlagen. Eine länger anhaltende Eskalation würde dagegen auch den Strommarkt deutlich stärker unter Druck setzen und Kunden mit Festpreistarifen treffen.
Die Energiepreise ziehen kräftig an – und damit wächst die Sorge vor einem neuen Inflationsschub. Entscheidend ist jetzt vor allem eines: Wie lange der Konflikt im Nahen Osten dauert. Entspannt sich die Lage schnell, könnten auch die Energiepreise wieder deutlich nachgeben. In diesem Fall würde der Preisschock die Inflation wohl nur kurzfristig verzerren.
Bleiben Gas und Strom jedoch länger teuer, droht aus dem aktuellen Energieschock rasch ein neues Inflationsproblem zu werden. Bereits jetzt treiben Störungen bei Förderung und Transport von verflüssigtem Erdgas (LNG) die Gaspreise nach oben. Da Gaskraftwerke in Europa häufig ebenfalls den Strompreis beeinflussen, schlägt die Entwicklung zunehmend auch auf die Strommärkte durch.
Für die meisten Strom- und Gaskunden dürfte der Effekt allerdings erst verzögert sichtbar werden. Viele Gas- und Stromversorger passen ihre Tarife nur schrittweise an – steigende Großhandelspreise kommen daher oft erst Monate später bei Haushalten und Unternehmen an - dafür aber nachhaltig.
Für die Geldpolitik wird die Lage damit heikel. Sollten die Inflationserwartungen weiter steigen, könnte die Europäische Zentralbank schneller zum Eingreifen gezwungen sein als bisher erwartet.
Die Meerenge zwischen Iran und Oman ist ein zentraler Engpass im globalen Energiehandel. Ein großer Teil der weltweiten Öl- und LNG-Exporte passiert täglich diese Route. Kommt es dort zu Störungen, wirkt sich das unmittelbar auf die globalen Energiemärkte aus. IEA
Eine der wichtigsten Öl- und Gasroute der Welt
Rund 20 % des weltweit gehandelten Erdöls passieren die Meerenge
Rund 19 % des globalen LNG-Handels laufen ebenfalls durch die Passage
Hauptlieferländer: Saudi-Arabien, Irak, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar, Iran
Wichtigste Abnehmerregionen Asien und Europa
